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Eine Sammlung meiner wirren Gedanken

Sonntag, Mai 04, 2008

Die Angst vor dem Altwerden

Irgendwo habe ich mal gehört, dass der Mensch sich nur bis zu einem erschreckenden Alter von 16 – 18 Jahren entwickelt und danach wieder mehr oder weniger schnell zerfällt. Biologisch hieße das, ich hätte meine Halbzeit schon um ein paar Jahre überschritten. Aber wie jeder weiß, werden Menschen weit aus alter als 40 Jahre. Genau genommen, werden die Menschen sogar immer älter und ich vermute, in ein paar Jahrzenten sind über 100-jährige keine Seltenheit mehr. Durch medizinische Forschung treiben wir unser Durchschnittsalter stetig nach oben. Vielleicht wird es irgendwann ja sogar möglich sein, sich komplett regenerieren zu lassen, doch diese Überlegung überlasse ich dann doch vorerst den SciFi-Autoren.

Mir stellt sich bei der ganzen Geschichte nur die Frage, inwiefern ist der Mensch dafür ausgelegt, so alt zu werden? Was bleibt von uns übrig, wenn unser Körper nur noch aus Ersatzteilen besteht? Bleibt unser Geist der Selbe?

Dann schaue ich mir meine Oma an. Meine Oma ist dieses Jahr 88 geworden. Diagnose vom Arzt: „Für ihr Alter, fit wie ein Turnschuh!“; top Blutwerte, Blutdruck, das Übliche halt. Körperlich ist also alles in Ordnung, aber was nutzt einen ein gesunder Körper, wenn der Kopf nicht mitspielt. Vor nun mehr als 11 Jahren ist mein Opa gestorben und mit ihm auch ein Teil meiner Oma, wie ich finde. Sie wurde immer ruhiger, ging erst nicht mehr in den Garten, hörte mit den Näharbeiten auf und zog sich letztendlich aus sämtlichen den Haushalt betreffenden Arbeiten zurück. Auch wenn ich ihrer strengen Art als Kind oft genug bockig trotzte, war sie mir früher lieber als jetzt. Das soll nicht heißen, dass ich meine Oma nicht mehr liebe! Ich habe nur das Gefühl, dass irgendwas in ihr bereits abgeschaltet hat und wir in zwei verschiedenen Welten leben. Anders kann ich mir das stundenlange, nichts tuende Herumgelungere in ihrem Sessel und die ständig gleichen Fragen nicht erklären.

Und so ist es mit vielen alten Leuten. Ohne Aufgabe scheinen sie ihren Geist zu verlieren. Was bleibt ist der gesunde Körper, der nichts tut.

Ich glaube nicht, dass der Mensch für ein so langes Leben geschaffen ist, jedenfalls nicht ohne einen Sinn, eine Aufgabe in seinem Leben zu sehen. Doch für so viele Menschen, die auf der Erde leben kann es unmöglich so viele Aufgabe geben und jede nachfolgende Generation fordert ihr Recht, die Aufgaben der älteren zu übernehmen. Was bleibt ist das Seniorenheim oder wie ich es nennen würde:„Beschäftigungstherapie bis zum Ableben“ oder auch nur „Betreutes Sterben“!

Ganz ehrlich, möchte ich gar nicht erst so alt werden, dass ich keinen Sinn mehr in meinem Leben erkenne. Der Gedanke, so werden zu können, wie meine Oma jetzt, macht mir Angst, schreckliche Angst. Lieber würde ich bei der Gartenarbeit im Alter einem Herzinfakt unterliegen, als jeden Tag in Monotonie zu verbringen. Doch ich befürchte, wenn man erst einmal abgeschaltet hat, bemerkt man nicht einmal mehr wie monoton sein Leben ist.