Bist du eigentlich glücklich?
Ja, heute schon, denn meine Prüfung ist gut gelaufen! Aber, bin ich es sonst auch?
An dieser Stelle sollte eigentlich ein Text über den Soundtrack meines Lebens stehen.
Mein Musikgeschmack ist sehr sagen wir mal eigen, aber ohne Musik kann ich nicht leben. Morgens, auf dem Fahrrad, begleitet mich mein mp3-Player und beim Lernen meine schon ausgeleierte Lieblingskassette oder eine CD. Als ich nun beim Zusammensammeln meiner Lieblingslieder der letzten 2 Jahrzehnte war und hinter jedem eine Begründung formulieren wollte, fiel mir mit Entsetzen auf, dass die meisten davon für meine Träume stehen und dass ich so einige von ihnen einfach schon aufgegeben habe.
Gerade ich, die am Liebsten jedem predigt, dass es doch so wichtig ist, zu versuchen, seine Träume zu verwirklichen! Denn sie sind der Schlüssel zum Glück! Wenn sich auch das ganze Leben um Geld oder Erfolg drehen mag, worum es letztendlich wirklich geht, ist, ob man mit dem glücklich ist was man tut oder wie man lebt. Denn um ein ganzes Leben lang unglücklich zu sein, ist es dann doch zu kurz. Und wer weiß schon, was nach dem Tod auf uns wartet?! Also müssen wir doch alle Chancen nutzen, unser Glück zu finden, oder?
Wenn ich wirklich auf das höre, was mein Herz mir sagt, dann bin ich hier falsch.
Nicht weil Informatik mir keinen Spaß macht; ganz im Gegenteil, wenn ich daran denke, was ich mit meinem Abschluss in Bioinformatik nachher alles anstellen kann, bin ich voller Begeisterung.
Aber wenn ich von einem auf den nächsten Moment die Möglichkeit – und das heißt im Klartext das Geld – hätte, würde ich alles hinschmeißen, zumindest für den Augenblick.
Und dann würde ich die Koffer packen und die Welt bereisen. Nichts ist mir wichtiger, als mir selbst ein Bild von der Welt vor meiner Nase zu machen. Sicher, es gibt auch andere SEHR unrealistische Träume, denen ich nicht unbedingt höchste Priorität zugestehen würde, die selbst mit Geld nicht machbar wären. Doch dieser eine große Traum, der ist doch auch ohne eine Million auf dem Konto machbar. Genau genommen benötige ich nur zwei gesunde Beine und ein bisschen Selbstverkaufsgeschick, um mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Quasi ein gigantisches „Travel and Work“. Was also hält mich davon ab, ihn zu leben, meinen Traum?
Wahrscheinlich ist es die genetisch bedingte Angst mütterlicherseits davor, dass mir so ganz allein auf Reisen etwas Schreckliches zustoßen könnte und noch wahrscheinlicher, die Angst vor dem Danach. Man kann nicht sein ganzes Leben lang durch die Welt reisen – obwohl ein Leben um alles zu sehen mit Sicherheit nicht einmal ausreichen würde. Irgendwann möchte man wieder ankommen und dann vor einem gigantischen Nichts zu stehen, ohne festes Einkommen, ohne Familie, ohne Zuhause, lässt den Traum dann plötzlich ganz düster erscheinen.
Also verschiebe ich ihn mal wieder auf später. Später, nach meinem Abschluss, später, nachdem ich mir etwas aufgebaut habe. Vielleicht versuche ich ihn auch einfach in mein Später zu integrieren. Studieren und Arbeiten kann man ja eigentlich überall. Aber vielleicht verschieb ich ihn auch auf Nie. Dann darf er sich zu meinen anderen abgetragenen Träumen gesellen.
Bin ich glücklich? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht! Ich glaube, ich bin zur Zeit einfach nur „Moment“-glücklich. Aber vielleicht wartet das große Glück ja da draußen noch auf mich, in einem anderen Traum, für den es wert ist alle anderen Träume aufzugeben!

2 Comments:
Es gibt da ja die Liste "200 Dinge die man im Leben gemacht haben sollte". Und ein Punkt ist da sehr interessant: "Mit allem glücklich sein auch wenn es nur für einen Moment ist." Also auch wenn man amzweifeln ist und manchmal nicht glücklich und das geht wohl jedem mal so, ist die Hauptsache, dass man zwischendurch einfach mal komplett zufrieden ist.
Und das mit dem Reisen ist auch so eine Sache. Wer würde nicht gerne die ganze Welt bereisen und dafür einfach alle Arbeit liegen lassen. So läuft es aber heutzutage nicht. Aber ist es nicht sowieso schöner in Abständen zu verreisen, das Gesehene zu verarbeiten und zwischendurch Arbeit die Vorfreude auf ein neues Abenteuer zu schüren?
Wer ist schon glücklich? Es ist doch gerade das großartige am Leben, das man nie zufrieden ist, nie wirklich glücklich, dass einem immer etwas einfällt was man noch erreichen kann.
Was leben so spannend macht ist nicht Glück, es ist das streben nach Glück.
Stell dir nur mal vor wie unglaublich öde es wird in diesem Moment wo man alles erreicht hat.
"Freedom tastes of reality" heißt es bei "The Who – I'm Free" um eines der Lieder zu nennen die in meinem Soundtrack währen. Diese Freiheit alles zu tun was man will zu jedem Zeitpunkt, die gibt es nicht, hat es auch nie gegeben. Aber die Suche danach, ist es Wert nie aufgegeben zu werden, denn wie ein kleiner schrumpeliger Buddhist mal gesagt hat: „Hoffnungslosigkeit ist ein echter Grund für Misserfolg.“
PS: Wo ist der Cola Artikel hin?
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