MoMeNtAuFnAhMe

Eine Sammlung meiner wirren Gedanken

Dienstag, September 04, 2007

Das Geheimnis und die menschliche Phantasie

Im Herbst läuft die Zeit rückwärts und Bilder fangen an zu sprechen.

Auf meinem mp3-Player läuft „Left“ von „Hush for those Lullabies“ und ich schwelge in dieser süßen Melankolie, die das Abklingen des Sommers mit sich bringt, zwischen Trauer und Inspiration. Während die Sonne den Horizont in lebendiger Stille umarmt, streifen die Boten der Nacht bereits meinen Weg. Ihre anmutige Gestalt, ihr kühles Wesen, die Tiefe ihrer Augen, aber vielleicht auch die Tatsache, dass sie ihr Winterfell bereits kuschelig zur Schau stellen, lassen mich nach einem gemütlich warmen Zuhause sehnen.

Jedes Jahr das selbe sehnsüchtige Gefühl, das so schwer auf meiner Brust liegt, wie die Erkältung, die ich mir in den kühlen Nachten des vergangenen Wochenendes aufgeladen habe.

Wieder zuhause angekommen durchblättere ich die Septemberausgabe der Wohnen & Garten, die ich mir nicht etwa wegen der Dekotipps oder des leckeren Apfelkuchenrezeptes, das auf dem Cover prangt, geleistet habe, sondern wegen eben diesem sehnsüchtigen, häuslichen Gefühl. Voller Farbenpracht strahlen mich die auf Hochglanz gedruckten Seiten an und ich träume davon, irgendwann einmal ein kleines Bauernhaus mit einem großen bunten Garten mein Heim nennen zu dürfen.

Der Herbst hat etwas besonderes, etwas Geheimnisvolles und vielleicht sogar Mystisches. Worte haben mehr Bedeutung und hinter jedem Moment steckt eine abenteuerliche Geschichte, zumindest in der Phantasie. So sind die Frischluftausflüge meiner Mitbewohnerin auch nicht einfach Spazierfahrten, sondern zweifelsohne Ausreden, um ein Geheimnis zu behüten. Und anstatt Sie zu fragen, spinnen meine Gedanken lieber ein Netz aus Sommerromanze und einem geheimen Ort, an dem sie ein Findelkätzchen durchfüttert. So muss es sein, denn was sonst könnte das Dauerlächeln auf ihrem Gesicht erklären.

In meine Gedanken versunken, ertränke ich meine Erkältung mit einer heißen Tasse Tee und überfliege die Fotos vom Sommer. Ich versuch mich an den Duft unseres Gartens zu erinnern, an die warmen Nächte auf der Terrasse und an den Geschmack der leckeren Himbeertorte von Mama. Doch das Einzige, das sich wirklich in mein Gedächtnis gebrannt hat, ist das laute Zirpen der Grillen.

Wenn ich das nächste Mal nachhause fahre, fallen bestimmt schon die Blätter von den Bäumen und die letzten Früchte unter ihnen verschmelzen mit Gras und Erde, bis im nächsten Frühjahr nichts mehr von ihnen zu erkennen ist. Die Zeit läuft an uns vorbei als würde sie einen Wettlauf gegen das Leben führen, das zweifelsohne nur verlieren kann, doch in jedem Herbst so stark an unserer Innerstes appelliert, es bis zum Frühjahr doch bitte nicht zu vergessen.