MoMeNtAuFnAhMe

Eine Sammlung meiner wirren Gedanken

Montag, September 24, 2007

Der Kampf gegen das Vergessen

...oder der Grund dafür, warum ich schreibe!
Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich es liebe, meinen Gedanken – so blöd sie manchmal auch seien mögen – in schriftlicher Form Ausdruck zu verleihen, gefällt mir auch der Hauch von Ewigkeit, den jedes niedergeschriebene Wort an sich trägt. Tagebücher, kleine Briefchen oder eben einfache, kleine Geschichten sind Zeugen unseres Ichs. Und wenn sie nach Jahren wieder ans Tageslicht treten, ist es als würde man einen Schatz in Händen halten. Den Schatz der Erinnerung.

In Rendezvous mit Joe Black spricht der Tod mit einer alten Frau, die zunächst Angst vor ihm hat, ihn dann aber bittet sie von ihren Schmerzen zu erlösen. Und mitten in diesem Gespräch über Leben und Sterben, sagt sie, sie habe genug Erinnerungen gesammelt, die sie mit hinüber nehmen könne. Es ist interessant, das Leben als Möglichkeit zu betrachten, Erinnerungen zu sammeln und traurig, wenn man Dinge, an die man sich gerne erinnern möchte, vergisst. Sicher, man kann sich einfach nicht an alles erinnern und manchmal möchte man das auch gar nicht, aber sehr oft passiert es mir, dass ich Dinge vergessen, die wichtig für mich sind und die niemand mir je wieder geben kann.

So wie die Erinnerung an meinen Opa. Okay, ich war 11, als er starb und es ist ganz logisch, dass ich mich nicht mehr so gut an in erinnern kann, aber alles was ich noch über ihn weiß, passt in eine kleine gelbe Schachtel mit runden, durchsichtig grün glänzenden Kapseln, die er gegen irgendetwas nehmen musste und um die ich ihn immer beneidete, weil sie sehr lecker aussahen. Wenn ich meine Mam frage, wie er, wie sein Leben war, endet unser Gespräch meist mit einem bedauernden: „Ich bereue, dass wir es nie aufgeschrieben haben. Er hat so viel erlebt, das es Wert ist, davon zu erzählen, doch jetzt ist es zu spät!“. Meine Oma kann sich nicht einmal mehr an ihr eigenes Leben erinnert und versucht ihre Scharm, über das Vergessen, mit einem Grinsen und Achselzuger zu vertuschen.
Ob ich ihm wohl sehr ähnlich bin? Ob er wirklich der Mann war, zu dem ich ehrfürchtig aufblicke? Ich vermisse ihn und hätte ihn noch gern so viel gefragt, Dinge die mir mit 11 noch nicht wichtig waren, aber heute so viel bedeuten.

Ich schreibe nicht für eine Allgemeinheit, nicht einer politisch oder gesellschaftlich wertvollen Meinung wegen. Es ist mir auch nicht wichtig, dass man mich für das, was ich schreibe bewundern soll. Ich schreibe, weil ich keine Erinnerung missen mag und nicht nur ich mich später an mich erinnert möchte, wenn ich alt und grau und bestimmt noch vergesslicher als jetzt bin, sondern auch damit sich andere an mich erinnern, andere denen es wichtig ist zu erfahren, wie ich bin.

Dienstag, September 18, 2007

Bist du eigentlich glücklich?

Ja, heute schon, denn meine Prüfung ist gut gelaufen! Aber, bin ich es sonst auch?
An dieser Stelle sollte eigentlich ein Text über den Soundtrack meines Lebens stehen.
Mein Musikgeschmack ist sehr sagen wir mal eigen, aber ohne Musik kann ich nicht leben. Morgens, auf dem Fahrrad, begleitet mich mein mp3-Player und beim Lernen meine schon ausgeleierte Lieblingskassette oder eine CD. Als ich nun beim Zusammensammeln meiner Lieblingslieder der letzten 2 Jahrzehnte war und hinter jedem eine Begründung formulieren wollte, fiel mir mit Entsetzen auf, dass die meisten davon für meine Träume stehen und dass ich so einige von ihnen einfach schon aufgegeben habe.

Gerade ich, die am Liebsten jedem predigt, dass es doch so wichtig ist, zu versuchen, seine Träume zu verwirklichen! Denn sie sind der Schlüssel zum Glück! Wenn sich auch das ganze Leben um Geld oder Erfolg drehen mag, worum es letztendlich wirklich geht, ist, ob man mit dem glücklich ist was man tut oder wie man lebt. Denn um ein ganzes Leben lang unglücklich zu sein, ist es dann doch zu kurz. Und wer weiß schon, was nach dem Tod auf uns wartet?! Also müssen wir doch alle Chancen nutzen, unser Glück zu finden, oder?

Wenn ich wirklich auf das höre, was mein Herz mir sagt, dann bin ich hier falsch.
Nicht weil Informatik mir keinen Spaß macht; ganz im Gegenteil, wenn ich daran denke, was ich mit meinem Abschluss in Bioinformatik nachher alles anstellen kann, bin ich voller Begeisterung.
Aber wenn ich von einem auf den nächsten Moment die Möglichkeit – und das heißt im Klartext das Geld – hätte, würde ich alles hinschmeißen, zumindest für den Augenblick.
Und dann würde ich die Koffer packen und die Welt bereisen. Nichts ist mir wichtiger, als mir selbst ein Bild von der Welt vor meiner Nase zu machen. Sicher, es gibt auch andere SEHR unrealistische Träume, denen ich nicht unbedingt höchste Priorität zugestehen würde, die selbst mit Geld nicht machbar wären. Doch dieser eine große Traum, der ist doch auch ohne eine Million auf dem Konto machbar. Genau genommen benötige ich nur zwei gesunde Beine und ein bisschen Selbstverkaufsgeschick, um mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Quasi ein gigantisches „Travel and Work“. Was also hält mich davon ab, ihn zu leben, meinen Traum?

Wahrscheinlich ist es die genetisch bedingte Angst mütterlicherseits davor, dass mir so ganz allein auf Reisen etwas Schreckliches zustoßen könnte und noch wahrscheinlicher, die Angst vor dem Danach. Man kann nicht sein ganzes Leben lang durch die Welt reisen – obwohl ein Leben um alles zu sehen mit Sicherheit nicht einmal ausreichen würde. Irgendwann möchte man wieder ankommen und dann vor einem gigantischen Nichts zu stehen, ohne festes Einkommen, ohne Familie, ohne Zuhause, lässt den Traum dann plötzlich ganz düster erscheinen.

Also verschiebe ich ihn mal wieder auf später. Später, nach meinem Abschluss, später, nachdem ich mir etwas aufgebaut habe. Vielleicht versuche ich ihn auch einfach in mein Später zu integrieren. Studieren und Arbeiten kann man ja eigentlich überall. Aber vielleicht verschieb ich ihn auch auf Nie. Dann darf er sich zu meinen anderen abgetragenen Träumen gesellen.

Bin ich glücklich? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht! Ich glaube, ich bin zur Zeit einfach nur „Moment“-glücklich. Aber vielleicht wartet das große Glück ja da draußen noch auf mich, in einem anderen Traum, für den es wert ist alle anderen Träume aufzugeben!

Donnerstag, September 13, 2007

Viel zu unkompliziert

So ist sie nun einmal, die Welt in unserer Zeit, unkompliziert, viel zu einfach, viel zu schnell und viel zu groß!
Zu mindestens für mich. Kann mal jemand die Zeit um so ein Jahrhundert zurückdrehen? Okay, ein paar Jahrzehnte würden mir auch schon genügen. Warum?
Weil die Zeiten dort anderes waren – das soll nicht heißen besser. Vielleicht würde ich in diese Zeit nur einfach viel besser hineinpassen?! Ja, ich weiß, dass es dort noch keine PC’s gab und ja, die hygienischen und medizinischen Standards aus unserer Zeit sind auch nicht zu verachten. Es hat sich schon viel getan in den letzten Jahrzehnten. Ich mein ja nur.

Hab ihr euch schon einmal eure perfekte Welt vorgestellt? Sicher! Und meine ist nun einmal noch herrlich altmodisch. Briefe schreiben, Pferdekutschen, Ziegelofen, Kleider tragen und Tanzveranstaltungen. Ich will nicht behaupten, dass ich tanzen könnte, denn das kann ich leider nicht, aber es wäre doch klasse, wenn man auf Bällen noch von charmanten Gentlemen zum Tanz aufgefordert werden würde und auf jenen Veranstaltungen auch noch Konversation betreiben könnte. Heute geht das nicht mehr. Diskos sind zu laut und entweder man tanzt allein oder gleich viel zu eng, wenn nicht ist man verklemmt oder spießig.
Meine Mam - und die ist ja nun wirklich noch nicht alt – kann nie verstehen, dass ich auf ihre Frage „Und habt ihr auch mit Jungs getanzt?“ nur abwertend mit einem „Was man halt so tanzen nennt!“ antworte. „So etwas gab es bei uns früher nicht!“ und dann folgt eine lange Geschichte von den berühmt berüchtigten „Dorftänzen“. „Und die jungen Leute sind von überall hergekommen.“. Bilde ich mir das nur ein oder war verhaltenen Flirten zu der Zeit noch viel einfacher? Es gehörte sich nun einmal Damen zum Tanz aufzufordern und so konnte man durchaus auch auf den Dorftänzen jemand kennen lernen.

Im Allgemeinen vermute ich, war die Welt zu der Zeit noch ein wenig verhaltener, ein bisschen höflicher und nicht so verdammt offen. Heutzutage strahlen einen nackte Tatsachen schon von Milchverpackungen an. Zugegeben das Konzept „Sex sells“ gibt’s schon länger. Aber was ist bloß aus den guten alten die-Bravo-erklärt-dir-wie-das-geht-Zeiten geworden. Sex ist so omnipräsent, dass selbst der Aufklärungsgedanke untergeht und Geschlechtskrankheiten ein neues Hoch erreichen. In was für einer Welt leben wir denn, dass sich 13-Jährige schon ganz selbstverständlich die Pille verschreiben lassen und locker flockig über die Matratzen hüpfen. Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber zumindest scheinen One-Night-Stands ganz normal zu sein.

Kein langes Kennen lernen, Dating und Briefe schreiben mehr. Man probiert sich einfach aus und dann passt es halt oder nicht. In einer Zeit von Internet und Handy ist es nicht schwer, jemanden kennen zu lernen. Da wird doch wohl irgendwas Passendes dabei sein, die Welt ist ja schließlich groß genug, oder nicht? Ich glaube, genau das ist das Problem. Wozu an etwas festhalten, was einen keinen Aufwand gekostet hat?! Seufzend denke ich an die Liebesgeschichte meiner Tante, die meinen Onkel auf einem Tanz im Berliner Fernsehturm kennen gelernt hat. Ihr vereinbartes Treffen für den nächsten Tag sollte seitens meiner Tante nicht klappen, aber wie absagen ohne Handy oder Telefon generell. Also fuhr sie zum Treffen um abzusagen. Auch von zahlreichen Liebesbriefen hörte ich. Jetzt mal ganz ehrlich, jemanden in den man so viel Energie steckt, denn lässt man doch nicht einfach mehr so ziehen, oder? Und so kam es dann auch. Sie heirateten und nur weil mein Vater der Hochzeitsfotograph war, kann ich heute überhaupt diese Zeilen schreiben. Ach romantisch, wirklich romantisch, es gibt vieles was anderes war zu dieses Zeit.

Ich bin schon froh, wenn mir mal jemand in die Jacke hilft oder mir die Tür aufhält. Ist es nun Zufall oder Ironie, dass in dieser Zeit, die einem alle Möglichkeiten bietet, eine Generation von unglücklichen Singles heranwächst?

Sonntag, September 09, 2007

Äußerst kritisch!

Nun hat sie es also endlich geschafft. Der NDR hat sie rausgeworfen, Eva Herman, eine Frau auf dem Feldzug für verstaubte Moralvorstellungen, die „der Frau die Stellung, für die sie geboren ist“ – um mal ganz dreist den Konfliktpunkt aus Mona Lisas Lächeln aufzugreifen – zurück erobern will, die Stellung hinter dem Herd.

Sie formulierte offensichtlich, zugegeben etwas unglücklich, Deutschland schaffte mit seiner NS-Zeit/Kriegsgeschichte auch gleich die Werte der Familien und Mütter ab. Nicht nur, dass sie mit dieser Äußerung ihren Job beim NDR loswurde, sie hat auch gleich die Empörung der Jüdischen Gemeinde auf sich gezogen.

Okay, ich bin auch nicht gerade ein Fan ihrer kleinen Hetzjagd, aber in einem Punkt hat sie recht: Deutschland hat seine Werte verloren. Allerdings nicht die Werte der NS-Zeit, sondern Werte die schon vor den Weltkriegen das Bild dieser Nation auszeichneten.

Nach nun fast 60 Jahren nach Kriegsende scheint mir, dass Deutschland sein Wesen noch immer auf Grund seiner Geschichte verstecken muss. Deutschland darf keinen Nationalstolz haben und auch nur die leiseste Äußerung Positives in einer Zeit zu finden, die zweifellos grausam, unmenschlich und überwiegend negativ war, stößt auf eine Front des Widerspruchs und der Empörung.

WIR sind und waren nie diese Zeit! Und auch wenn unsere Ahnen, verblendet von falschen Versprechungen einer besseren Welt waren, für die Sie selbst die Seelen ihrer Freunde und Nachbarn verkauften, was NIEMALS vergessen werden darf oder soll, glaube ich, dass es Zeit wird, endlich aus den Trümmern unserer Kultur aufzuerstehen und Werte, die weder eine politische noch ethische Meinung widerspiegeln sollen, wiederzufinden! Was ist ein Land ohne seine Identität?

Wieso können wir nicht frei von Schuld über Geschichte, unsere Geschichte, reden? Es kann nicht angehen, das Deutschland sich nur über den Fußball seiner Nation verbunden fühlen darf! Mich empört nicht die Tatsache, dass Eva Herman wegen ihrer Aussage kritisiert wird, sondern die Tatsache, sie deshalb gleich zu feuern und am besten noch auf Grund rassistischer Gedanken zu verklagen.

Dienstag, September 04, 2007

Das Geheimnis und die menschliche Phantasie

Im Herbst läuft die Zeit rückwärts und Bilder fangen an zu sprechen.

Auf meinem mp3-Player läuft „Left“ von „Hush for those Lullabies“ und ich schwelge in dieser süßen Melankolie, die das Abklingen des Sommers mit sich bringt, zwischen Trauer und Inspiration. Während die Sonne den Horizont in lebendiger Stille umarmt, streifen die Boten der Nacht bereits meinen Weg. Ihre anmutige Gestalt, ihr kühles Wesen, die Tiefe ihrer Augen, aber vielleicht auch die Tatsache, dass sie ihr Winterfell bereits kuschelig zur Schau stellen, lassen mich nach einem gemütlich warmen Zuhause sehnen.

Jedes Jahr das selbe sehnsüchtige Gefühl, das so schwer auf meiner Brust liegt, wie die Erkältung, die ich mir in den kühlen Nachten des vergangenen Wochenendes aufgeladen habe.

Wieder zuhause angekommen durchblättere ich die Septemberausgabe der Wohnen & Garten, die ich mir nicht etwa wegen der Dekotipps oder des leckeren Apfelkuchenrezeptes, das auf dem Cover prangt, geleistet habe, sondern wegen eben diesem sehnsüchtigen, häuslichen Gefühl. Voller Farbenpracht strahlen mich die auf Hochglanz gedruckten Seiten an und ich träume davon, irgendwann einmal ein kleines Bauernhaus mit einem großen bunten Garten mein Heim nennen zu dürfen.

Der Herbst hat etwas besonderes, etwas Geheimnisvolles und vielleicht sogar Mystisches. Worte haben mehr Bedeutung und hinter jedem Moment steckt eine abenteuerliche Geschichte, zumindest in der Phantasie. So sind die Frischluftausflüge meiner Mitbewohnerin auch nicht einfach Spazierfahrten, sondern zweifelsohne Ausreden, um ein Geheimnis zu behüten. Und anstatt Sie zu fragen, spinnen meine Gedanken lieber ein Netz aus Sommerromanze und einem geheimen Ort, an dem sie ein Findelkätzchen durchfüttert. So muss es sein, denn was sonst könnte das Dauerlächeln auf ihrem Gesicht erklären.

In meine Gedanken versunken, ertränke ich meine Erkältung mit einer heißen Tasse Tee und überfliege die Fotos vom Sommer. Ich versuch mich an den Duft unseres Gartens zu erinnern, an die warmen Nächte auf der Terrasse und an den Geschmack der leckeren Himbeertorte von Mama. Doch das Einzige, das sich wirklich in mein Gedächtnis gebrannt hat, ist das laute Zirpen der Grillen.

Wenn ich das nächste Mal nachhause fahre, fallen bestimmt schon die Blätter von den Bäumen und die letzten Früchte unter ihnen verschmelzen mit Gras und Erde, bis im nächsten Frühjahr nichts mehr von ihnen zu erkennen ist. Die Zeit läuft an uns vorbei als würde sie einen Wettlauf gegen das Leben führen, das zweifelsohne nur verlieren kann, doch in jedem Herbst so stark an unserer Innerstes appelliert, es bis zum Frühjahr doch bitte nicht zu vergessen.