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Eine Sammlung meiner wirren Gedanken

Freitag, Oktober 13, 2006

Wenn Heizungen frieren

Rot über rot verhüllt blau, mittendrin ein Gesicht.
Ein Paar dicke Socken spielen Fangen in Zeitlupe,
während das Knarren der Dielen auf dem Flur die Müdigkeit an das Wachbleiben erinnert.
Man ertappte sie mit wirren Gedanken im Sekundenschlaf,
worüber die temperamentvolle Tasse neben ihr nichts weiter als heiße Luft abließ.
Dabei war grade sie der Grund für das Dilemma.
Doch es wäre wohl falsch, ihr allein die Schuld zu geben,
schließlich taten Decke und Mia auch nichts, um sie bei Laune zu halten.

Erst der Aufschrei des sonst so in sich gekehrten Telefons mahnte die Müdigkeit ab,
ihre Liaison mit einem Traum zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen.
Eingeschnappt verkroch sie sich hinter das Bett,
während Neugier und Naivität der Stimme am anderen Ende der Leitung lauschten.
Mini-Karteikarten stellten sich in witzigen Formationen um die Tasse auf und zwei braune Augen starrten Gedanken verloren auf die noch nicht getane Arbeit.

Die Uhr, die vor lauter Vorfreude am liebsten gleich 2 Minuten auf einmal gegessen hätte, zeigte nun für einen Moment die vollkommene Stille, während die Stimme am anderen Ende „Ach übrigens: Guten Morgen!“, säuselte.

Nicht gewillt auch nur eine Sekunde an Gedanken über die Ernsthaftigkeit der Realität zu verschwenden, übernahm die Naivität das Wort.
Nur leider wusste sie gar nicht, was sie sagen sollte und so verstummten ihre blass-rosa Lippen süß lauschender Stille, die ab und an durch ein Kichern der Neugier unterbrochen wurde.

Die Naivität schaute zur Müdigkeit und die Müdigkeit rüber zur Uhr.
Was blieb, war das kindische Lachen der Neugier, die noch immer nicht von der Stimme am anderen Ende lassen wollte. Dann legte sie auf!
Kopfschüttelnd betrat nun das Gewissen, das hinter der Tür gelauscht hatte, das Zimmer und schickte alle drei mit einem enttäuschten Blick ins Bett.

Donnerstag, Oktober 05, 2006

Und Herbst

Seit dieser Woche ist bei mir ganz offiziell Herbst. Keine Ahnung warum, das spürt man einfach. Ein rudimentärer Instinkt?

Wenn ihr mich fragt, ja. Denn seit Montag habe ich auch wieder diesen unbestimmten Hunger auf Fleisch, den ich während des Sommers schon benahe auf vegetarisches Maß abgeschwächte hatte.

Mal abgesehen von dem unersättlichen Bedürfnis mir Winterspeck anfuttern zu müssen (na so weit kommt es noch), gibt es noch eine ganze Reihe anderer Dinge, die mir sagen, dass der Übergang vom Sommer zum Winter begonnen hat.

Die unsagbar schwere Müdigkeit, die nur noch durch das laute Gedröhne meines Weckers zu überwinden ist, und die recht frische Luft, die mein Bein hinaufkriecht, wenn ich morgens den ersten Fuß aus dem Bett Richtung Tagesanbruch stecke.
Die sich rot färbenden Blätter des wilden Weins an Nachbars Schuppen, das verspielte Lübecker Wetter. Die Sonne, die ihr sommerliches Zitronengelb gegen ein verschlafenes Goldgelb eingetauscht hat und nach den langen Sommertagen, der Nacht den Weg frei macht.

So kommt es auch, dass ich um 9 Uhr abends nicht einem himmelbemalenden Sonnenuntergang zugucke, sondern dem Vollmond, der von Wolken umnebelt mit den Augen zwinkert, während ich mir die heiße Tasse Tee von der Fensterbank schnappe und mich in eine Decke kuschle, weil mir die nahende Kälte ein Frösteln entlockt.

Doch nicht nur mich scheint der Herbst gepackt zu haben. Die, wie sagt man so schön, Übergangsjacken haben sich den Weg aus ihrem vermotteten Sommerquartier zurückgebahnt und Tücher in allen Farben schmücken den Hals vieler Wesen des weiblichen Geschlechts, während die Männerwelt noch in Sweatshirt-Jacke durch den kühlen Morgen fährt. Aber es soll ja auch hartgesottene Kerle geben, die selbst im Winter nur T-Shirt tragen.

Alles in allem gewöhne ich mich langsam an den Gedanken, dass Herbst ist, vergesse die anfängliche Trauer um den verlorenen Sommer und könnte beinahe schon wieder meinem herbstlichem Deko-Fieber verfallen.