Zwischen Heimweh und Fernsucht
Es ist ¾ Sieben, warm strahlt die Abendsonne durch das Fenster des Zuges. Ich bin auf dem Weg nach Hause, zurück zu Phil van Pfot und Lizzi van Streif.
Noch im selben Moment, in dem ich sehnsüchtig an den schönen Blick aus dem Badezimmerfester auf den Sonnenuntergang über den Dächern Lübecks denke, überkommt mich ein wenig Heimweh nach meinem alten Zuhause, während mir der süße Duft der frisch gepflückten Äpfel von unserer Wiese in die Nase steigt.
Mein neues und mein altes Leben unterscheiden sich so komplett voneinander, dass die Zugfahrt immer wie eine Reise in eine andere Welt ist, mit dem Kopf in den Wolken, voller Sehnsucht nach beidem.
Woher wissen wir, wo unser Zuhause ist? Was macht ein Zuhause aus? Ist es der Ort, an dem wir aufgewachsen sind oder der Ort, an dem wir zur Zeit leben?...
Mein Elternhaus. Auch wenn ich nie wirklich was mit den Leuten aus unserem Dorf am Hut hatte, kenn ich doch keinen Ort, der idyllischer ist. Es ist, als würde die Zeit hier keine Rolle spielen. Wenn frühs die Sonne die taubehangenen Obstbäume zum Funkeln bringt und nur der Hahn den verschlafenden Morgen zum Aufstehen zwingt. Der morgendliche Spaziergang mit Maxi und Rexy, während ich die frische Waldluft in tiefen Zügen genieße. Das faule Mittagsschläfchen in der Hängematte unterm Flieder, während die Katzen das Geschehen auf dem Hof von den herunterhängenden Ästen beobachten. Das durch den Garten Stöbern und Saisonfrüchte Naschen und der leise Abend, der das Sonnenlicht in der Wiese zwischen den Obstbäumen bricht, während Nachbars Eiche majestätisch über ihm thronend die Nacht einläutet. In eine Decke gekuschelt, auf dem Waschküchendach sitzend und die Sterne beobachtend vergeht ein Tag um den anderen...
Lübeck, ich liebe Lübeck! Komischerweise hatte ich nie wirklich Heimweh zu Beginn meines Studiums. Ich war viel zu fasziniert von dem Abenteuer Leben und der Schönheit einer Stadt, die selbst bei Regen noch lächelt. Okay, an das Wetter muss man sich wirklich erst einmal gewöhnen, doch nach 4 Semestern kommt es einem schon echt spanisch vor, wenn man in einer anderen Stadt bei "stürmischem Wetter" noch mit topgestylter Frisur am Ziel ankommt. Es gibt 100 kleine Dinge, die ich an dieser Stadt so mag: der Sonnenuntergang über den Kirchtürmen, wenn man im Drägerpark liegt, der kleine Campus, die vielen Eichhörnchen, meine Sternchenbrücke, der geniale Streetballplatz - um nur ein paar Dinge zu nennen - und natürlich meine Freunde hier...
Doch es gibt so viele Ort, die ich gerne mag, an denen ich gerne bin oder wieder sein möchte:
Paguera, meine spanische Heimat; Schottland, so verzaubert, so tief, so frei; Antwerpen und das Cafe, in dem man glatt zum Schriftsteller mutieren könnte...
...dann fällt es mir ein, mein Herz kennt zu viele Orte, so dass nach ihm wohl die Welt mein Zuhause sein müsste. Doch all diese Orte haben eins gemeinsam, sie bringen mich zum Träumen. Nicht die Welt sondern meine Träume sind mein Zuhause, denn in ihnen fühl ich mich am wohlsten!

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