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Eine Sammlung meiner wirren Gedanken

Montag, September 18, 2006

Menschlich ist Irren

Denken, Verstehen, Glauben, Wissen, Wollen, Sollen, Möchten, Hoffen, Sehnen, Suchen, Verzweifeln, Enttäuschen...Irren!

Der Mensch ist ein unverbesserlicher Perfektionist! Das perfekte Aussehen, der perfekte Partner, die perfekte Beziehung, der perfekte Job...kurz, das perfekte Leben.

Wieso eifern wir Idealen nach; der vollkommenen Schönheit, dem vollkommenen Traumpartner, dem einzigartigsten Lebenslauf, dem vollkommenen Wissen?
Gibt es wirklich Menschen, die diesen Perfektionismus ausleben können?
Warum sind wir unzufrieden, wenn wir keine Erfolge verbuchen können? Wieso hat jeder Mensch eine klare Vorstellung von Erfolg, aber keine Antwort auf das „Warum“?

Und jeder, der jetzt sagt, was für ein Blödsinn und mit Sätzen kommt wie „Ich mag mich so, wie ich bin!“, „Ich liebe meinen Partner, mit all seinen Schwächen!“, „Nur aus Fehlern kann man lernen!“ oder „Forschung hilft!“, den frag ich:

Warum betonst du, dass du dich so magst, wie du bist, wenn du nicht unlängst Stunden vor dem Spiegel verbracht hättest, um all das an dir zu entdecken, dass du nicht magst und mit Sport, Diäten oder sogar OP’s versuchst zu verbessern?
Warum definierst du die in deinen Augen nicht perfekten Züge deines Partners als Schwächen?
Warum kannst du erst aus den Fehlern lernen, wenn du doch weißt, dass es Fehler sind?
Wie kann Forschung helfen, wenn sie doch nur versucht, das Leben neu zu erfinden und quasi einer perfekten Welt entgegenstrebt, in der man die Ursachen für Krankheit, Hunger, Krieg usw. ausmerzt?
In einer perfekten Welt gäbe es keine Individuen, kein Leben, in einer perfekten Welt gäbe es nicht mal das Nichts! Warum also streben wir nach dieser Perfektion?

Ich befürchte, Perfektion ist der Ausdruck unserer natürlichen Triebe gepaart mit der negativsten Eigenschaft des Menschen, unserem „Verstand“.

Von Natur aus ist jedes Lebewesen darauf gepolt, sein Erbgut so zu verteilen, dass die Nachkommenschaft idealer Weise gesichert ist – ein Tick der Natur um Krankheiten auszumerzen. Damit verbunden ist das Gesetz des Stärkeren: Das schönste Gefieder, das stabilste Netz oder das stärkste Männchen (im Zweikampf) gewinnt/überlebt.

Überträgt man dies nun auf den Menschen, gewinnen Schönheit, gesichertes Einkommen, Fleiß, oder evtl. auch noch körperliche Stärke - die jedoch eher von Intelligenz abgelöst wird. Und da ein Mensch sich nicht einfach diesem Gesetz des Stärkeren unterwirft, sondern darüber nachdenkt, wie er sich selbst besser verkaufen kann, entstehen Vorbilder, Ideale in deren Form sich jeder versucht reinzuzwängen und das nicht nur im Paarungsverhalten. Der Mensch überträgt diesen Perfektionismus auf sein ganzes Leben, denn es gibt so viel zu verbessern, wenn man nicht nur einen Tag lebt!

Fazit: Wie schön könnte das Leben sein, wenn alle Menschen dumm wären!

(die Autorin verlässt schmunzelnd die Bühne...)

Samstag, September 16, 2006

Die Frage des Lebens

Jeder Mensch hat mindestens einen Traum, eine Definition für Glück und eine Vorstellung von Leben. Doch bei all den Fragen, die einem zwangsläufig irgendwann im Leben einmal über den Weg laufen, gibt es nur eine Frage, die meines Erachtens nach unausweichlich ist und keine Ausflüchte und stundenlange Philosophie zulässt, weil sie sich gezielt an jedes Individuum selbst richtet. Sie ist quasi existenziell für das Leben selbst.

„Wofür lebst du?“

Ich lebe für den Moment...

...auf dem Spielfeld zu stehen, den Ball in den Händen zu halten und zu spüren, dass ich Teil eines Teams, eines Ganzen bin und die Macht habe, das Spiel durch meine Handlung zu beeinflussen. Ich muss nicht darüber nachdenken, was ich tue, mich nicht für meine Handlung rechtfertigen, ich darf es einfach versuchen und genießen. Diese 40 Minuten auf dem Spielfeld sind pure Leidenschaft, pures Fieber, pure Energie, pure Freiheit.

...des Einschlafens, wenn mein Freund seinen Arm um mich legt, sich an mich kuschelt und ich seinen Atem in meinem Nacken spüre.

...in dem die Sonne hinter dem Horizont verschwindet und zum Abschied den Himmel mit warmen Farben bemalt.

...wenn der Mond den Sternen den Weg in die tiefe Nacht leuchtet und ich am weißen Strand Sand durch meine Zehen rieseln lasse und den Wellen lausche.

...in dem ich einen verführerischen Duft an einem Ort wahrnehme, an dem ich ihn nicht vermuten würde.

...der Umarmung mit meiner Mutter, wenn ich nach langer Zeit mal wieder zu Hause bin.

...

Und wofür lebst du?

Montag, September 11, 2006

Zwischen Heimweh und Fernsucht

Es ist ¾ Sieben, warm strahlt die Abendsonne durch das Fenster des Zuges.
Ich bin auf dem Weg nach Hause, zurück zu Phil van Pfot und Lizzi van Streif.
Noch im selben Moment, in dem ich sehnsüchtig an den schönen Blick aus dem Badezimmerfester auf den Sonnenuntergang über den Dächern Lübecks denke, überkommt mich ein wenig Heimweh nach meinem alten Zuhause, während mir der süße Duft der frisch gepflückten Äpfel von unserer Wiese in die Nase steigt.

Mein neues und mein altes Leben unterscheiden sich so komplett voneinander, dass die Zugfahrt immer wie eine Reise in eine andere Welt ist, mit dem Kopf in den Wolken, voller Sehnsucht nach beidem.

Woher wissen wir, wo unser Zuhause ist? Was macht ein Zuhause aus? Ist es der Ort, an dem wir aufgewachsen sind oder der Ort, an dem wir zur Zeit leben?...

Kurz nach Zehn, eine heiße Tasse Cappuccino in den Händen haltend, kommt mir ein Zitat in den Sinn: "Zuhause ist dort, wo dein Herz ist!"

Mein Elternhaus. Auch wenn ich nie wirklich was mit den Leuten aus unserem Dorf am Hut hatte, kenn ich doch keinen Ort, der idyllischer ist. Es ist, als würde die Zeit hier keine Rolle spielen. Wenn frühs die Sonne die taubehangenen Obstbäume zum Funkeln bringt und nur der Hahn den verschlafenden Morgen zum Aufstehen zwingt. Der morgendliche Spaziergang mit Maxi und Rexy, während ich die frische Waldluft in tiefen Zügen genieße. Das faule Mittagsschläfchen in der Hängematte unterm Flieder, während die Katzen das Geschehen auf dem Hof von den herunterhängenden Ästen beobachten. Das durch den Garten Stöbern und Saisonfrüchte Naschen und der leise Abend, der das Sonnenlicht in der Wiese zwischen den Obstbäumen bricht, während Nachbars Eiche majestätisch über ihm thronend die Nacht einläutet. In eine Decke gekuschelt, auf dem Waschküchendach sitzend und die Sterne beobachtend vergeht ein Tag um den anderen...

Lübeck, ich liebe Lübeck! Komischerweise hatte ich nie wirklich Heimweh zu Beginn meines Studiums. Ich war viel zu fasziniert von dem Abenteuer Leben und der Schönheit einer Stadt, die selbst bei Regen noch lächelt. Okay, an das Wetter muss man sich wirklich erst einmal gewöhnen, doch nach 4 Semestern kommt es einem schon echt spanisch vor, wenn man in einer anderen Stadt bei "stürmischem Wetter" noch mit topgestylter Frisur am Ziel ankommt. Es gibt 100 kleine Dinge, die ich an dieser Stadt so mag: der Sonnenuntergang über den Kirchtürmen, wenn man im Drägerpark liegt, der kleine Campus, die vielen Eichhörnchen, meine Sternchenbrücke, der geniale Streetballplatz - um nur ein paar Dinge zu nennen - und natürlich meine Freunde hier...

Doch es gibt so viele Ort, die ich gerne mag, an denen ich gerne bin oder wieder sein möchte:

Paguera, meine spanische Heimat; Schottland, so verzaubert, so tief, so frei; Antwerpen und das Cafe, in dem man glatt zum Schriftsteller mutieren könnte...

...dann fällt es mir ein, mein Herz kennt zu viele Orte, so dass nach ihm wohl die Welt mein Zuhause sein müsste. Doch all diese Orte haben eins gemeinsam, sie bringen mich zum Träumen. Nicht die Welt sondern meine Träume sind mein Zuhause, denn in ihnen fühl ich mich am wohlsten!